Abenteuer in den Bergen Cordillera Blanca

DAV Berlin Jugendexpedition 2000

   

Bilder und Text: Felix Berg - 2000

Am 14. Juli starteten wir: Veit Althoff (21 Jahre), Eberhard Mach (17 Jahre) und ich nach Peru. Von Lima ging es mit dem Bus nach Huaraz, einem hunderttausend Seelendorf mitten in der Cordillera Blanca. Ab dort fuhren wir mit Kollektivos weiter. Das sind Sammeltaxis (Kleinbusse) bescheidenen Zustands, in denen um die 20 Personen, häufig mehr, gestapelt werden. An den Lagunas de Llanganuco angekommen, bauten wir unser Lager auf. Beim Bouldern auf 3800 m machte sich die dünne Luft ganz schön bemerkbar – unser Gestöhne übertraf bei weitem das der Mulis. Wir akklimatisierten uns durch einen Gang an den azurblauen, wunderschönen Lago 69 (4450 m ü NN), hinter dem majestätisch der Chacraraju (6001 m ü NN), einer der schwersten zu besteigenden Gipfel der Anden, aufragte. Tags darauf brachten wir unser Klettermaterial zur Pisco-Hütte (4750 m ü NN) und stiegen wieder ab, um noch einen Tag später mit Zelt und Schlafzeug wieder aufzusteigen. Wir bauten unser Lager unterhalb der Hütte (4700 m ü NN) auf und spielten vorm Abendessen noch mit den Einheimischen auf einen provisorischen, staubigen Platz Fußball – aufgrund der Höhe ein mühsames Unterfangen. In der Nacht fühlte sich Veit nicht so gut, so dass dieser mit Ebi zu den anderen noch unten stehenden Zelt abstieg. Tags, während ich eine Akklimatisationstour machte, stiegen die Beiden wieder auf. In der folgenden Nacht ging es Veit noch um einiges schlechter, sodass die Fußballkontakte sehr hilfreich waren und wir uns um Mitternacht zusammen mit den Ayeros (Mulitreibern) Eleazar, Robert und Miquer auf den Weg nach unten gemacht haben. Auf 3800 m ü NN, im großen Zelt der Einheimischen ging es Veit schon viel besser. Am Tag darauf fuhren dieser und Ebi weiter runter während ich mich mit dem Mulitreibern wieder auf den Weg zum oberen Lager machte.

Unser ursprüngliches Bergziel, der Nevado Chacraraju musste nun aufgegeben werden. Immerhin konnte ich am nächsten Tag, am 28. Juli, dem Tag der peruanischen Unabhängigkeit, über den Normalweg auf den Pisco (5780 m ü NN) gelangen. Danach mussten das Zelt und die Kletterausrüstung der Gruppe zusammen gepackt und das 70 Kilo schwere Zeug mit Mulis nach unten gebracht werden – ein ganz schöner Stress. Abends in Huaraz angekommen, wurde nicht wie erwartet gefeiert; die meisten saßen vorm Fernsehen und beobachteten die Krawalle in Lima (Präsidentschaftswahlchaos), welche uns ganz schön beunruhigten. Am nächsten Tag war die Lage ruhiger und es wurden Peru weit die traditionellen Paraden abgehalten. Während ich mich ausruhte und diese ansah, waren Veit und Ebi im Llanganuco-Tal, um nach vermisstem Material zu schauen. Abends ging ich mit netter Damenbegleitung auf ein Konzert auf der Hauptstraße Huarazs, welches Veit und Ebi ebenso genossen wie ich. Erstaunlicherweise übersahen wir uns gegenseitig. Bei etwa 2000 Zuschauern ist dies normaler Weise kein Wunder. Bei peruanischer Durchschnittsgröße von 1,60 m stellt aber jeder Europäer eine deutliche Erhöhung aus der Masse dar. 

Am 1. August ging es dann wieder in die Berge. Dort fühlte man sich angesichts der riesigen Gipfel gleich viel kleiner, noch kleiner als in den Alpen eh’ schon. Veit und Ebi wollten es langsamer angehen und wanderten mit über 30 kg auf den Rücken zum Alpamayo Basecamp, ein Drei-Tagestrip. Ich hatte es da ins Ischinca–Tal nicht so weit und mühsam. Nach sechs Stunden Marsch erreichte ich in der Dämmerung das Basecamp auf 4350 m ü NN, wo auch eine bewirtschaftete Hütte steht. Nach zwei Tagen Krankheit und nächtlichen Schneefall glückte am 4. August die Besteigung des Urus (5500 m ü NN). Eine faszinierende, mystische Stimmung wurde durch den nächtlichen Schneefall, der 10 cm Neuschneeschicht und den immer wieder aufreißenden Nebel ausgestrahlt und machte auch den verhältnismäßig leichten Weg (UIAA 1, 40°) zu einen einmaligen Erlebnis.  Am nächsten Tag machte ich mich um 5.15 Uhr auf den Weg zum Ischinca. Schell unterwegs stieg ich zuerst auf den Ischinca Norte (5459 m ü NN) und erreichte dann 10 Uhr 20 den höchsten Punkt des Ischinca Sud (5630 m ü NN) auf direkten Weg durch den Gipfelaufschwung (IV+, 70°), welches sich als Erstbegehung entpuppte. Am selben Tag geht es noch durch das Tal hinaus und bei einbrechender Dunkelheit auf einen Pick-up, der bei völliger Finsternis Huaraz erreichte. Vollständig erschöpft nach sieben Stunden Bergsteigen und fünf Stunden Rucksackschleppen, komme ich an, habe aber die Erfüllung, das Glück und Gefühl der Zufriedenheit in mir. . .

Am 6. August schaute ich mir die Ruinen der Hochkultur Chavín (3000 Jahre alt) an. Einen Tag später Tag kehrten dann auch Veit und Ebi wohlbehalten, leider ohne Gipfelerfolg zurück. Inzwischen hatte ich einigen Kontakt zu in Huaraz Lebenden, mit denen ich Sportklettern ging und einige ganz andere Eindrücke der Menschen, der Kultur und Tradition mitbekam. Nach sechs Tagen in Huaraz fiel es mir schwer Abschied zu nehmen und nach Lima zu fahren. Von dort brachten uns diverse Flugzeuge via Buenos Aires, Sao Paolo, Madrid nach Frankfurt am Main, wo wir am 13. August wohlbehalten ankamen.

Weitere Infromationen und Links zum Bergsteigen in Südamerkia

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