SummitClimb Kangchenzönga Expedition 2002

In Gedenken an Chris Grasswick

Text: Felix Berg - 2008

Um den 1.April trafen die 12 Expeditionsteilnehmer in Kathmandu ein. In dem Jahr die einzige Expedition auf der Nordseite des Kangchenzönga, mit knapp 8600 Metern Höhe der dritthöchste Berg der Welt, sollten wir im Verlauf der nächsten zwei Monate die Einsamkeit und Isolation in einer der abgelegensten Regionen Nepals voll zu spüren bekommen. Chris Grasswick, einer unserer Teilnehmer, in Kanada geboren, als Pilot in Hong Kong wohnhaft, würde nie heimkehren. Das Teams war international zusammengestellt. Malte Hagge aus Australien, Ian Lyod und Paul Rowntree aus England, Stuart Findly aus Scotland, Mike Farris, Mark Bryant und Steve Dodson aus den USA. Aus Equador kamen Ivan Vallejo, der damals schon K2 und zweimal Everest ohne künstlichen Sauerstoff bestiegen hatte, und sein Bergführerkollege Julio Mesias. Daniel Mazur, einer der erfahrensten amerikanischen Expeditionsbergsteiger, leitete die Expedition und war gerade von einer Expedition zum Nojin Kansa in Tibet zurück gekommen. Er hatte mir angeboten umsonst teilzunehmen, wofür ich ihm bei der Vorbereitung half. So war ich einige Tage früher in Kathmandu, kaufte Lebensmittel, Kerosin, packte die Zelte und Klettermaterial zusammen. Mit 21 Jahren war ich bei weitem der Jüngste in einem Team von über Dreißigjährigen, wurde jedoch gut akzeptiert und die Stimmung war von Anfang an sehr gut. Chris Grasswick, präzise in Allem was er tat, erreichte als einer der ersten Teilnehmer Katmandu. Abends gingen wir mit einigen Teilnehmern der Nojin Kansa Expedition aus, die seine Kondition bestaunten als er auf dem Heimweg eine Rikscha mit zwei Passagieren zurück ins Hotel radelte. Wir veranstalten ein kleines Rennen, doch während Dan und ich noch Probleme hatten die klapprigen Dreiradfahräder gerade zuhalten, war Chris schon auf und davon, der Nepali Rikscha-Fahrer rannte mit klappernden Sandalen hinterher und rief ,Slow down!, Slow down!´.

Am 2.April waren wir vollzählig, jedoch kündigten auch die Maoisten einen Generalstreik an.  Aufgrund der Demonstrationen und Straßenbarrikaden wurde unsere Abreise um 5 Tage verschoben, wertvolle Zeit die uns am Berg verloren ging. Als wir aufbrachen, sich unser voll beladene Bus Richtung Osten schlängelte, sahen wir einige niedergebrannte Lastwagen und Busse und mussten viele Militärposten passieren. Wir wurden Zeugen dieses tragischen Konflikts. Als wir nach drei Tagen mühsamer Fahrt Taplejung, Provinzhauptstadt der östlichsten Region Nepals, reich an Teeplantagen, erreichten, war eine nächtliche Ausgangssperre verhängt. Nach 19:00 Uhr mussten sämtliche Lichter abgeschaltet werden, und gelegentlich hörte man in der Nacht Maschinengewehrfeuer in den umliegenden Wäldern rattern. Am nächsten Morgen sahen wir eine Gruppe von Schulkindern, die von Soldaten bewacht zum Unterricht gebracht wurden. Wir heuerten 88 Träger an, an die wir die vorher verpackten Expeditionslasten verteilten, und begannen die Wanderung zum Basislager. Zuerst führt ein kleiner Pfad hinab in ein Tal, dann entlang eines Flusses namens Tamur zu einer winzigen Ansiedlung namens Mitlung. Entlang des Weges lag eine ausgebrannte Polizeistation, zum Glück das letzte Anzeichen des Gewaltkonflikts. Weiter Tal aufwärts bis hinauf auf 3000m Höhe war die Gegend beherrscht von Maoisten, aber friedlich. Als wir nach 5 Tagen Wanderung Ghunsa, eine kleinen Ortschaft auf 3450m Höhe erreichten, änderten sich Landschaft, Kultur und Leute. In dieser hochalpinen Umgebung lebten seit einigen Hundert Jahren angesiedelte tibetische Buddhisten, unter denen die Maoisten keine Unterstützung fanden. Bis dorthin hatten Tieflandträger, die aus dem indischen Terrai abstammten, die Lasten getragen. So mussten wir die bisherigen Träger bezahlen und sämtliche Lasten neu verteilen. Die Gemeinschaft von Ghunsa teilte uns Mitgliedern jeder dort ansässigen Sippschaften zu, die je nach Reichtum ihr Familie dann mit Yaks oder zu Fuss ihren Anteil ins Basislager trugen. Über drei Tag wanderten wir durch faszinierende Himalaya Landschaft, an den beeindruckenden 7800 Meter hohen Jannu vorbei zu einer ebenen Stelle namens  Pangpema, wo wir auf 5000 Meter Höher auf Grass neben einem kleinen Flusslauf unser endgültiges Lager aufschlugen. Ein Küchen-, ein Essenszelt, für jeden Teilnehmer ein Schafzelt und ein Toilettenzelt: das Basislager für die Besteigung war gemütlich eingerichtet. Vis-a-vis lag der eindrucksvolle Kangchenzönga, am Rande der Ebene ging es steil über die Randmoräne auf den mächtigen Kangchenzönga Gletscher.

Mit zwei lokalen Küchenhelfern aus Ghunsa, dem Sidar Kaji, einem Koch, zwei Küchenjungen und den zwei Hochlagerträger Jambu und Dorje Sherpa halfen uns noch insgesamt 8 Nepali Begleiter. Am 20.April gingen Chris und Stuart als Erste auf den Gletscher und richten das Lager 1 auf 5700m Höhe ein. Ivan und Julio, von Equador gut akklimatisiert, brachten am selben Tag eine Last hinauf und stiegen wieder ins Basislager ab. Am nächsten Tag folgten Dan und ich. Zusammen mit anderen Teilnehmern erkundeten wir die Route.  Am 24.April erreichten wir das ‚Eisgebäude‘ auf 6100 bis 6300m Höhe. Ich kletterte erst eine unangenehme 5 Meter hohe Einstiegsmauer über den Bergschrund, dann eine 45-60 Grad steilem Eisrinne unter den bedrohlich hängenden Seracs. Nach eine gefüllten Ewigkeit fixierte ich das Seil an zwei Firnankern und seilte ab. Am 25.April kehrten Dan und ich zurück ins Basislager, um uns auszuruhen. Ich spielte mit Chris und Stuart lange Karten und diverse Brettspiel, ging Bouldern und fotografierte die umliegende Landschaft.

Vom 28.April bis zum  8.Mai war ich wieder am Berg. Nach einem Schlechtwettereinbruch spurten Dan, Ian und ich mit schweren Lasten durch tiefen Schnee, um am 3.Mai das 2.Lager auf 6450 Meter Höhe zu etablieren. Am 4.Mai erreichten Dan und ich das 1.Felsband, eine steile kombinierte Wand auf 6700m Höhe, die technische Schlüsselstelle der Route. In den nächsten Tagen fixierten Julian, Ivan und ich mit der Hilfe von Jambu Sherpa bei teilweise widrigem Wetter, Wind, leichtem Schneefall und Spindrift Lawinen,  die knapp 400 Meter hohe Wand.  Doch am 7.Mai erreichten wir das über 7000m hohe Ausstiegsschneefeld. Während die anderen Teilnehmer Lasten über die Steilwand trugen und das 3.Lager auf 7200 Metern einrichteten, stiegen Julian, Ivan und ich ab, um uns die folgenden Tage im Basislager auszuruhen. Vom 11.Mai an hatten wir endlich stabiles Wetter. Am 13.Mai stiegen Ivan, Julio und ich zum 2.Lager auf, am nächsten Tag mit einer Last weiter zum 3.Lager und wieder hinab für ein Ruhetag im 2.Lager. Das Wetter blieb stabil. Dan und Jambu erreichen das Lager und überzeugten Ivan und mich den Gipfel in Angriff zu nehmen, während Julian mit leichter Schneeblindheit umkehrte. Am 15.Mai wieder hinauf zum 3.Lager übernachtete ich zum ersten Mal auf 7200m Höhe. Am nächsten Tag stiegen wir auf 7300 bis 7500 Meter Höhe durch eine kleine 50 Grad steile Schneerinne über das 2.Felsband und erreichten das letzte Schneefeld. Auf 7700 Metern bauten wir unser letztes Lager unter einem kleinen Block auf. Nach einer fast schlaflosen Nacht machten wir uns am 18.Mai für den Gipfelsturm bereit, kochten und zogen uns an. Ivan brach als erster um 5:15 auf und spurte durch den Schnee. Doch als wir um 7:15 in der Nahe einer Felsstruktur namens Croissant 8000 Meter Höhe erreichten, wechselte schlagartig das Wetter. Dan blieb oben, um das Wetter abzuwarten, während ich mit Ivan abstieg. Wir gingen zügig und erreichten am selben Tag nach 9 Stunden Abstieg das Basislager. Nach zwei Tagen kamen auch Dan und Jambu hinunter. Auch musste der Küchenjunge Galu, den wir das Klettern erst beigebracht hatten, von anderen Teilnehmern gerettet werden. Das Abseilgerät verloren, an einem vereisten Seil verfangen und durch die Kälte unterkühlt, musste Stuart zu ihm hochklettern, das Seil losschlagen und ihn in das nächste Lager bringen. Stuart, Chris und einige anderen Teilnehmer wärmten ihn auf und am nächsten Tag kam Galu auf eigenen Beinen mit leichten Erfrierungen wieder heil im Basislager an. 


Am nächsten morgen hatten Julio und Ivan entschieden trotzdem den Gipfel zu versuchen, und ich schloss mich dem an, zumindest um bis zum nächsten Lager zu gehen. Ich ging etwas hinterher, als im 2.Felsband aus dem Coulior über mir ein gelbeingekleideter Kletterer die Kontrolle verlor und fiel. Er rauschte in Richtung des riesigen Abbruches unterhalb des Schneefelds, blieb aber nach etwas 50 Metern Fall knapp 20 Meter über der Abbruchkante liegen. Als ich hinunter spurtete, erkannte ich Stuart, der etwas Blut aus dem Mund spuckte. Die Anstrengungen der letzten Tage waren zu viel, seine Konzentration gestört und seine Atmung klang röchelnd, aber äußerlich war er unverletzt. Ich gab ihm warmen Tee, eine Diamox Tablette gegen Höhenkrankheit und eine Nifediphin Tablette wegen Verdachts auf Lungenödem, worauf das Blutspucken und die Atmungsschwierigkeit hindeutete. Dann gingen wir gemeinsam zurück zum Weg und ich begleitete ihn aus dem  Steilhang bis er in Sichtkontakt zu dem Lager 2, wo andere Teilnehmer ihm weiterhalfen. Dann stieg ich wieder auf, über das 2.Felsband, dann das ewig lange 3.Schneefeld. In der Dämmerung erreichte ich das Lager auf knapp 8000 Metern Höhe, wo sich Julian und Ivan über meinen Verblieb wunderten, aber schon ein zweites Zelt aufgestellt hatten. Am 26.Mai brachen wir um 4:30 zum Gipfel auf, waren gut unterwegs und erreichten die Eisrinne rechts des Croissants um 7:00. Es war sehr windig, Eiskörner peitschten uns entgegen, und Schneefahnen, langgezogene Zirruswolken, bildeten sich am Gipfel. Inzwischen auf über 8200 Meter Höhe, der Gipfel noch gut 300 Meter entfernt, meinte Ivan wir sollten umkehren. Mir war kalt, der Wind blies uns fast von den Beinen und so waren wir uns schnell einig. Um 7:15 kehren wir um, saßen kurz nachher wieder beim Lager 5 und entschieden noch eine Nacht dort zu bleiben. Chris war bei seinem Sturz auf der Höhe des Lagers liegen geblieben, also packten wir seine persönlichen Sachen, um diese hinab zutragen, jedoch schien es utopisch den Körper zu bergen. Die Anstrengungen jeglicher Betätigung waren in der Höhe immens. Mühsam kochte ich Abendessen und schmolz Schnee zum Trinken. Mein Magen tat mir weh, erholte sich jedoch nach einem umständlichen Toilettengang innerhalb des Zeltes –draußen war es zu kalt. Ich versuchte zu schlafen. Es schneite durch die Nacht. Morgens wachte ich mit Kopfschmerzen auf. Etwas dusselig im Kopf machte ich mich fertig. Es war dunkel. Ich kriegte den Reisverschluss des Zeltes nicht auf, dann bemerkte ich dass mein Zelt komplett eingeschneit war. Mit einem Ruck öffnete ich das Zelt. Schnee viel hinein. Ich stand auf. Um mich herum sah ich nur hüfttief Schnee liegen, gegenüber im anderen Zelt machten sich Julio und Ivan bereit. Es schneite leicht, wir hatten kaum Sicht und es war bewölkt. Ich stopfte den Rucksack und das Material von Chris, Kocher und Gas in meinen Rucksack. Julio und Ivan nahmen die Zelte. Wir seilten uns an. Dann brachen wir in der Morgendämmerung auf.

Nach einigen Tagen Schlechtwetter, es blieb bewölkt und windig, brachten Julian, Ivan und ich zum zweiten Gipfelversuch auf. Wieder in einem Tag die 25km lang Strecke über den Gletscher und 1500 Höhenmeter Aufstieg zum Lager 2. Einige Tage vor uns waren Mike und Paul, die im Lager 4 auf 7700m, sowie Chris und Stuart, die auf knapp 8000 Meter Höhe ein Zelt, das Lager 5, aufgebaut hatten, und sich auf den Gipfelsturm vorbereiteten. Am nächsten Tag, es war der 24.Mai erreichten wir nachmittags sonnig, am ersten Gutwettertag der vergangenen sieben Tage, das 3.Lager auf 7200 Meter Höhe. Wir schmolzen Schnee, kochten und tranken. Per Funk waren wir im Kontakt mit dem Basislager und bekamen die freudige Nachricht, dass Stuart und Chris den Gipfel erreicht hatten. Doch abends, es war schon dunkel, ertönte Stuarts Stimme im Funk ‚Chris is dead‘ und teilte ohne Erklärung mit, dass Chris Grasswick gestorben war. Erst ungläubig, dann wie paralysiert füllte ich mich hilflos, dass ich nichts tun konnte als abzuwarten. 

Anfangs ohne Sicht stapften wir knie- bis hüfttief durch das Schneefeld, stiegen dann durch das steilere 2.Felsband hinab. Es schneite weiter und teilweise mussten wir auf allen Vieren krabbeln, da wir zu tief einbrachen.  Das Lager 3 war komplett im Schnee versunken. Von 3 Zelten sahen wir nur noch ein Einziges im Ansatz. Es war schon Nachmittag. Wir hatten keine Energie und Zeit, um das Material zu bergen. Dann öffnete sich die Sicht. Wir sahen Lawinenabgangsspuren links und rechts, die hinab über das steile 1.Felsband führten. Wir standen teilweise bis zum Oberkörper im Schnee, erreichten aber gegen Abend die fixierten Seile am oberen Ende der Steilwand. Beim Abseilen mussten wir festgefrorene Seile freischlagen während von oben leichte Schneelawinen über uns fegten und es dunkel wurde. Der Schnee unter dem 1.Felsband war nur noch knietief und letztendlich erreichten wir nachts das 2.Lager auf 6450 Meter Höhe. 15 Stunden für 1500 Höhenmeter Abstieg. Hundemüde schliefen wir am nächsten Tag bis uns die Sonne weckte. Erst um 13 Uhr verließen wir das Lager. Da wir möglichst wenig Müll hinterlassen wollten, trug ich noch ein weiteres Zelt und Ivan und Julio zogen abwechselnd einen selbst konstruierten Schlitten mit dem restlichen Materials des 2.Lagers. Der Abstieg war mühsam und die unausweichliche Lawinengefahr kratzte an unseren Nerven. Am ,Eisgebäude‘ waren die Fixseile komplett verschneit, sodass wir den Schlitten hinab schickten, erstaunlicherweise später wiederfanden, und selber ab kletterten. Abfallende Eisblöcke und Lawinen hatten den Einstieg komplett überfüllt, welches die Gefährlichkeit dieser Stelle verdeutlichte. Die Ebene zum 1.Lager zog sich hin. Im Dunkeln erreichten wir den unteren Gletscher und um 22:30 das Basislager. Wir hatten 25 Stunden auf 2 Tagen für eine Strecke gebraucht, die wir zuvor in 9 Stunden schafften, und dabei Todesängste ausgestanden. Betroffen saßen wir im Küchenzelt mit Dan und der einheimischen Begleitmannschaft, der tragische Tod von Chris lag schwer in der Luft, und erholten uns bei Suppe und Tee von den Strapazen.


Am nächsten Morgen begannen wir um 5:00 das Basislager abzubauen. Dann hielten wir eine Andacht für Chris. Malte hatte mit Hilfe von Dorje eine Gedenkplatte aus einem Metallteller gestochen, die wir am schon vorhandenen Gedenkstein anbrachten. Stuart, ein langjähriger Kletterpartner von Chris, und Dan sprachen andenkende Wort. Obwohl ich Chris erst vor zwei Monaten kennengelernt hatte, war er mir als neuer Freund ans Herz gewachsen und der Abschied fiel schwer. Der Abstieg von Basislager, raus aus der völlig verschneiten unwirklichen Welt des Kangchenzönga, fiel mir um so leichter.
Paradox zu der niedergeschlagen Stimmung innerhalb des Teams begrüßten uns die tieferen Täler blühend, mit viel Grün und Wärme: der Frühling war hereingebrochen. Am 1.Juni wieder in Mitlung angekommen, leerten wir den verbliebenen Whisky, tranken lokal gebrauten Rakshi Wein und rauchten die umliegend wachsenden Hanfprodukte während Ivan uns auf Spanisch das ‚La Cucharacha‘ Lied lehrte, welches alsdann bis spät in die Nacht ertönte. Auf gewisse Weise brachte die Tragödie das Team näherzusammen, trieb aber auch die Realität zwischen uns. Ein kleiner Fehler beim Höhenbergsteigen reichte aus, um tödlich zu enden. Stuart und Chris hatten schon 1995 den Shivling zusammen bestiegen, am Berg auf die Hilfe der Sherpas verzichtet und zu den fleißigsten und fähigsten Teilnehmern gehört. Im Abstieg vom Gipfel, auf einer 25 Grad steilem Querung in 8400 Meter Höhe, war das Unglück passiert. Nicht angeseilt, durchaus üblich in dem Gelände, hatte Stuart hinter sich Chris fluchen gehört, sah ihn rutschen, wie er seinen Pickel verlor und nach 20 Metern in den steileren, haltlosen Hang fiel, sich überschlug und erst auf 8000 Metern Höhe nah des Lagers reglos liegen blieb. War das Erlebnis das Risiko wert, oder gehört das Risiko gerade zum Erlebnis?
Als wir am 5.Juni in Katmandu die Angehörigen von Chris trafen, seine Frau Natalie, seinen Vater Hugh, seine Schwester Heidi, und seinem besten Freund Ken mit Spitzname ‚Gnu‘ von der gemeinsamen Zeit als Kampfpilot bei der Canadian Airforce, lernte ich auf indirekte Weise Chris noch besser kennen und der Schmerz des Verlustes wurde tiefer. Gemeinsam verbrachten wir einige Zeit in Katmandu und teilten ihre Trauer, wodurch sich die Kehrseite des Risikos zu deutlich zeigte. Warum stieg ich in die Berge? Brauchten wir den Grenzgang an unser körperlichen und geistigen Fähigkeiten, um das Leben in vollen Zügen zu genießen? Während Dan und ich das Ende der Expedition abwickelten, dazu gehörten Gespräche mit Elisabeth Hurley, die seit Edmund Hillary in den 50ern die Himalaja Chronologie führte, Abmeldung der Expedition bei den Behörden, Materialeinlagerung, Verabschiedung der Teilnehmer und Familienangehörigen von Chris, sollte sich die Frage für mich nicht lösen. Wir waren durch ein Land mit vielfältigen Problemen, Armut und tragischen Schicksalen gereist, am Rand eines Bürgerkrieges, nur mit den hedonistischen Ziel einen weitentlegen Berg zu besteigen, vielleicht damit unseren eigenen Horizont zu erweitern, doch musste Chris für seine Leidenschaft sein Leben lassen und wir unser eigenes Schicksal erleben. Ich würde bald wieder in die Berge gehen, teils aus Trotz ‚jetzt erst Recht!‘ teils weil mir das schöne Gesamterlebnis das Risiko wert war, jedoch meine Unternehmen tiefgründiger und nachdenklicher betrachten. Meinen letzten Abend in Katmandu verbrachte ich mit Julio, Ivan, Dan und einigen unserer Nepalesischen Begleiter in einer bunten beleuchteten, verspiegelten Disco mit krachender Musik, zu der wir wild tanzten. Nach einer langen Nacht, am frühen Morgen, radelten wir mit kräftigen Tritten auf klapprigen Rikschas heim, gedachten unserer ersten Nacht in Katmandu mit Chris, der uns jetzt doch so fehlte. Diese Expedition mit den Ereignissen blieb eine prägende Erfahrung und Chris in meiner Erinnerung.


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