STACHUS  AMA  DABLAM  EXPEDITION  2001

Bilder und Text: Felix Berg 2001


Trocknen von Yakmist -Ama Dablam


Namche Bazar 
 

Kloster von Tengbuche


Kang Tega, 6900


Frühstück im Basisleger


Schneemann beim BC


Abstieg wegen Neuschnees


Yaks auf dem Weg zum ABC


Wiederaufstieg zum BC


Sonnenuntergang beim ABC


das erste Hochlager


Sonnenuntergang beim Camp1


Aufstieg zum Lager 3


Am Gipfel der Ama Dablam


Blick zum Pumori


Ama Dablam - Good bye 

                        

Das Ziel war der Weg und primär die Besteigung der wunderschönen Ama Dablam, 6856 Meter hoch, ein formschöner, von allen Seiten steiler Berg, das ,Matterhorn des Himalajas’ - wir wählten als Auf- und Abstiegsroute den Südwestgrat, der Normalweg, der frei geklettert bis zu 80° steiles Eis und senkrechten Fels (UIAA 5+) abverlangt und wollten dies by fair means erreichen: sämtliche Ausrüstung selber tragen, keinen Sauerstoff und keine Fixseile.

Das Team bestand aus Christoph Hoerster, unserem Expeditionsleiter, der den Großteil des Organisatorischen meisterte, Falk Descher, Martin Misselbeck, Laure Nicolet (alle in Süddeutschland lebend) und mir. Weiter waren  Haruki Inokuchi, aus Japan, der sich mit auf unser Permit eingekauft hatte, und sein Climbing Sherpa Pemba mit von der Partie. Am wichtigsten für die gelungene Expedition waren wohl unsere Angestellten: Pasang Sherpa, unser Sirda, Sherpaführer bei An- und Abmarsch und auch beim Bergsteigen mit dabei, Richy, unser Koch, und seine Küchenjungen Taschi, Mingbo und ...., die alle zusammen hervorragendes Essen zauberten. Doch viel bedeutender war für mich, durch sie Kontakt zu einer anderen Lebensweise und Kultur zu finden, und die hervorragende, gemütliche Stimmung, welche durch ihre Anwesenheit entstand.

Der Weg zum Berg fing mit einem langen Flug an. Nach einem eintägigen, ungeplanten Zwangsaufenthalt in Doha (Katar, vereinigte Emirate) und der Angst, dort bei 40°C Hitze zur Zeit der amerikanischen Militäraufmärsche den Urlaub verbringen zu müssen, flogen wir weiter nach Katmandu, der wunderschönen Hauptstadt Nepals. Eine kleineres Fluggeräte einer der Gesellschaften mit Namen wie Yeti Air, Bhuda Air o.ä.,  brachte uns am nächsten Tag nach Lukla (2600m).  Dort gibt es keine Autos und Strassen mehr. Alles wird von Yaks oder Trägern transportiert –so auch unser Expeditionsgepäck. In der nächsten Woche liefen wir zu unserem Basislager, passierten dabei Namche Bazar(3450m), den Knotenpunkt der Wege von Nepal nach Tibet, besuchten drei Klöster, auch das Berühmte in Tengbuche(3850) und genossen die tollen Aussichten: auf Lhotse, mit dem Everest im Hintergrund, auf Tabuche, Cholatse –zwei Sechstausender und natürlich auf die eindrucksvolle Ama Dablam.

Am Berg benutzten wir ein Zwischenlager auf 5000 Meter Höhe um Material ins ABC, das ,advanced basecamp’ (5400m) zu bringen und das Lager 1 (5750m) einzurichten. Das Basislager (4600m) war der bequemste Platz, viele kleine Blöcke zum Rumklettern und schöne Wiesen zum entspannen. Als wir es zum dritten mal verließen, übernachteten wir im ABC und wollten eine schöne Akklimatisierungstour  auf einen der vielen anderen niedrigeren Sechstausender machen, erwachten aber in einer weißen Suppe mit 20cm Neuschnee. Als wir absteigen, waren es schon 30 cm und selbst unten im Basislager lag Schnee. Mit unseren Sherpas zusammen bauten wir einen fast drei Meter hohen Schneemann und stiegen dann nach Pangbuche(4000m) ab, um uns am warmen Kamin einer Lodge zu erholen.

Zum Gipfel  wollten Falk, Martin und ich beim vierten ,,Auf Wiedersehen Basislager, gutes Essen, bequemes Leben’’ . Von ABC zum Lager 1 brauchten wir nur noch eine Stunde 15 Minuten – immerhin, wenn  man die vier Stunden vom ersten mal bedenkt. Über gutgriffigen Fels im Schwierigkeitsgrad 3 mit 4er-Stellen und schließlich einer Steilstufe (UIAA 5 bis 6) ging es zum zweiten Lager (5900m) –traumhaftschöne Granitkletterei. Störend sind nur die vielen hinterlassenen Fixseile alter Expeditionen, die eine Missachtung des Berges sind. Um nicht in die Versuchung zu kommen, mich an ihnen hoch zuhangeln, hatte ich meine Steigklemme unten im Basislager gelassen und kletterte im alpinen Stil ohne Sicherung oder vom Partner gesichert. Dies war zwar gefährlicher und schwieriger, gab mir aber auch die Genugtuung, dass ich nicht den hinterlassenen Müll anderer brauchte.

Das Lager 2 bietet gerade mal Platz für drei Zelte und in einem davon trafen wir Haruki mit seinen persönlichen Sherpas Pasang und Pemba, die schon einige Tage oben verbracht hatten. Am nächsten morgen stiegen wir zu viert weiter aufwärts, während Falk und Martin umgekehrt waren. Das Gelände, bis zu 65° steiles  Kombigelände, wurde immer verschneiter und verlangte uns viel ab. Für die letzte Seillänge vorm Erreichen des Grates brauchte ich zum Vorsteigen fast eine Stunde: 70° steiles Gelände mit einem Meter tiefen Neuschnee – keine Fixpunkte, kein festes Stück Eis, keine Absicherungsmöglichkeit, nicht mal mit den meterlangen Ankern, so locker war der Schnee. Dann folgte der ,Pilzgrat’. Der Name stammt von den pilzartigen aussehenden Wechten, die man passieren muss.

Nach zwei Stunden an diesem Grat entlang, waren wir am unteren Dablam, dem unteren Serac, angekommen. Es wurde dunkel und wir waren den ganzen Tag, 10 Stunden, lang unterwegs. So errichteten wir das Lager 3 (6300m), wo es zu Viert in einem Zelt recht ungemütlich war. Obwohl ich die Höhe ganz gut vertragen habe zog sich die Nacht in die Länge und ich war froh als es um sechs Uhr endlich los ging.

Die letzten 550 Höhenmeter sind eine Eiswand. (Oberer) Dablam heißt der riesige, von unten sichtbare Serac, ein überhängender Eisabbruch von bis zu 100 Meter Höhe. Bis zu diesem (6450m) hin kletterten wir durch eine gleichmäßige 55° steile Flanke. Wir passierten diesem auf der rechten Seite, wo es zwar bis zu 80° steiles Gelände hatte. Aber gutes Eis, so dass wir schnell und sicher voran kamen. Die letzten knapp 400 Klettermeter vom Dablam zum Gipfel waren 45° steil und länger als sie aussahen (geschätzte 150 Meter).

Den Gipfel erreichten wir schließlich um 12 Uhr – es war der 12. Oktober, perfektes Timing!! Gute zwei Wochen waren seit Ankunft im Basislager vergangen. Das Gefühl, die letzten Meter rauszusteigen und auf Everest, Lhotse und Nuptse zu sehen war grandious. Es war ein kalter, vielleicht –15°C, und windiger Tag. Aber auch ein sehr klarer Tag, man sah runter nach Tengbuche, hinüber zum 120 km entfernten Kangchendzönga, zum Cho Oyu, leicht wolkenverhangen, 6000 & 7000er wie Sand am Meer... ein faszinierendes Panorama. Während dessen stießen die anderen aus dem Team unten mit einer Flasche ‚Mount Everest whisky’ auf den Gipfelerfolg an.

Nach einem Drink (kein whisky –nur ,,leckere’’ Multivitamintabletten), Eß und Fotopause ging es wieder hinunter. Wir seilten uns ab, was zu Viert recht lange dauerte und kamen Nachmittags im Lager 3 an. Dort blieben wir über Nacht und stiegen am nächsten Tag ab zum Basislager.

Im Basislager waren inzwischen sieben Expedition, 74 Personen und ganze zwei andere wollten den Berg bei ,fair means’ versuchen – traurig. Aber alle waren ganz nett und ich hing mit einigen von ihnen rum, ging bouldern (Klettern in Absprunghöhe) und beobachte den Rest meines Teams beim Gipfelansturm, der schließlich oberhalb von Lager 3 an zu starkem Wind scheiterte.

Am 18.Oktober  stiegen wir dann gemeinsam ab -in der Zwischenzeit hatte ich das wahrscheinlich größte Bouldergebiet auf 4700 Meter Höhe erschlossen... und immer noch so viele schöne, ungelöste Probleme. Am 21. Oktober erreichten wir Katmandu, wo wir noch drei Tage das Leben genossen: morgens Frühstücken auf einer der herrlichen Dachterrassen mit ihren Cafés, dann ,Kultur’ besichtigen und erleben, abends Essen gehen.

Die Tour beendeten wir mit einem Essen bei Purba, unserem Organisator der Tour, seiner Familie und unserer Crew, die uns knappe fünf Wochen im Gebirge begleitet hatte. Meine Überlegungen bis Dezember in Nepal zu bleiben, verwerfe ich wegen zu kaltem Wetter, fehlender Partner und wartendem Studium und so flogen wir alle zusammen am nächsten Tag zurück nach Deutschland. Gesund und heil wieder zu kommen war das wichtigste; gerade bei der Einmaligkeit des Anmarsches, der Kletterroute und des Landes hat der Spruch ,der Weg ist das Ziel’ seine Richtigkeit und so kehrten wir alle zufrieden und glücklich heim.

Anmerkung 2010 Felix Berg:

SummitClimb Ama Dablam Expedition

Dies ist der Originalbericht zu meiner ersten Himalaja Expedition 2001. Im Rückblick, mit einiger gewonnener Erfahrung, behaupte ich, haben wir einige Fehler gemacht. Wir sind zu früh im Monsun angereist und hatten somit anfänglich zu viel Schnee. Dann haben wir am Material gespart und uns damit von anderen Parteien abhängig gemacht. Letztendlich konnten somit die meisten Gruppenmitglieder den Gipfel nicht erreichen, was beim zweiten Gipfelanstieg auch an der Ängstlichkeit und vielleicht fehlender Führung gelegen hat. Für mich war die Expedition ein Erfolg, für die Gruppe jedoch nicht.

Weitere Informationen und Links:

SummitClimb Ama Dablam Expedition