Mount Everest - Nordgrat

SummitClimb Mount Everest Expedition 2004

Text: Felix Berg (2004) 

Bilder: Felix Berg und andere Fotographen (copywright). 


2001 am Gipfel der AmaDablam - Mount Everest im Hintergrund


Der 'Money Temple' in Kathmandu


Helikopterlandung in Kodari, an der Grenze zu China


Lang Nun Pass (5050m), Shishapangma

            

2004 Everest von Tibet, Rungbuk Kloster (4800m)
            

Unser SummitClimb 2004 Everest Basislager (5100m)  
                                     
 
Yaks im Schneesturm zum MC (5700m)
                            

Daniel Mazur, Expeditionsleiter und tibetischer Yaktreiber
     

Auf dem Weg zum ABC, Zwischenlager auf 6000m
         
     
Puga -Zeromonie im ABC des Mt.Everest (6300m)

           

Mt.Everest ABC (6300m)

                  
Die Eiswand zum Nordsattel, Anstieg von 6500 auf 7000m



Die letzten Meter zum Nordsattel (7000m)

              

Das Lager 1 am Nordsattel (7000m)


Everest Nordsattel -Hoehenrekord im "Extrem Buegeln" 


Shigar: Rast und Ruhe auf 4500m Höhe
          


Aufstieg bei Schlechtwetter (7200m) 
 

            

Sherpa im Sturm (7500m) 


Das Lager 2 (7600m) nach dem Sturm
Aufstie


Felix im Lager 3 während des Höhensturms

 
8100m: Aufstieg zum letzten Lager (8300m)



Blick vom Gipfel nach Tibet (Bild: Arnold Coster)


Felix Berg am Gipfeltag, nach dem Gipfel - im ABC (6300m)                   


Blick auf den Everest vom Basislager (5100m)



Steine bei Tingri


Panorama in Tingri auf der Rückfahrt nach Kathmandu (4500m)


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Expedition in den Medien:


TAZ, 2.Juni 2004

Artikel in: Berliner Zeitung, B.Z, Klettern 

TV: BBR/WDR Sportshow

Everestnews Summit Report

Vortrag 'Mount Everest -Himalaja Extrem'
in Berlin - Freiburg - Zürich

Links & Informationen zum Mount Everest:

Bildgalerie zur Expedition

SummitClimb Mount Everest Expedition

Mount Everest Nepal

Mount Everest Tibet  

- Diese Expedition wurde unterstützt von:


































Mein Weg zum Gipfel des Everest

Am 29.Mai erreichte ich den Gipfel des Mt.Everest und wurde mit 23 Jahren der bis dahin jüngste Deutsche und der erste Berliner dem dies gelang. Der Mt.Everest ist mit 8848m der höchste, bedeutendste und bekannteste Berg aller Berge ...so fragten mich viele warum, wie, wann und wo man den Mt.Everest besteigt.

Anfang aller Dinge
Als Kind träumte wohl jeder viel, ob zu den Mond und Sternen zu fliegen, den Mt. Everest zu besteigen oder die Welt zu umsegeln. Beim Wandern zum Gipfel zu gelangen, war schon als kleiner Bub ein Glücksgefühl und als ich im Alter von 12 mit dem Felsklettern anfing war ich schnell infiziert -Spaß an der Bewegung, sich immer wieder überwinden, die Stimmung in unser Jugendgruppe...  Wir gingen vor allem steile Wände klettern und gelegentlich 4000er in den Alpen.

Aufregende Länder
Nach den Abitur (2000) kletterte ich in Peru, ein halbes Jahr später  war ich wieder in Chile und Argentinien -beide mal war ich fasziniert von dem Gesamterlebnis dieser Touren und so schloss ich mich 2001 mit meinen letztem Geld einer Expedition zur Ama Dablam(6850m) an. Nepal, Katmandu, der Buddhismus, die Bergtäler -ich war fasziniert. Vom Gipfel der Ama Dablam sah ich den Mt. Everest so nah, gerade mal auf der anderen Seite des Tales aber dennoch so fern, hoch und unnahbar. Ich war wieder infiziert von der Idee den höchsten Berg der Welt zu besteigen.

Andere Berge
Ich arbeitet 2002 als Hilfsleiter am Kangchenjunga (8601m), dem dritthöchsten und sicherlich einer der schwierigsten Berge der Welt mit einer kleinen Gruppe, ohne künstlichen Sauerstoff und als einzige Expedition am Berg und konnte zum ersten mal 8000er Luft schnuppern. 2003 verschlug mich ein DAAD-Austausch nach Afrika -wo es zwar schöne Felsen aber wenig hohe Berge gibt. Schließlich hatte ich den Everest fast wieder vergessen, ging viel Felsklettern und erschloss einige Bigwalls -hohe, steile Felswände- als mich mein Freund Dan Ende Dezember 2004 anrief und eine Stelle als Leiter seiner Internationalen Mount Everest Expedition 2004 anbot. Drei Sekunden, und ich fühlte genau was ich wollte. Ich dachte noch eine Nacht darüber nach, aber die Entscheidung war schon gefällt.

Training
Gut drei Monate hatte ich Zeit mich vorzubereiten. So kramte ich meine Eisgeräte aus dem Keller und kaufte Material, das noch fehlte und ging in den Alpen ‘Pickeln’ (Eisklettern). Zum Glück hatte ich mit dem Konditionstraining, vor allem dem Lauftraining nie so ganz auf gehört und war in Kenia  recht fit geworden. So intensivierte ich das ganze noch ein bisschen und flog für 40 Tage nach Kenia um dort zu trainieren: 4 bis 6 mal die Woche Joggen/Dauerlauf, 3 mal die Woche Klettern und 14 Tage auf dem Mount Kenia (5200m) jeden Tag Bergsteigen.

Anreise
Von Nairobi flog ich via Dubai nach Deutschland und nach 4 Stunden Aufenthalt wieder via Dubai nach Katmandu. Trotz insgesamt 3 Tagen im Flugzeug ging es abends in die lokalen Kneipen “Tom and Jerrys”, “40000,5ft ” und einen der vielen dubiosen nepalischen Tanzclubs... Dan Mazur war gerade erfolgreich am Pumori (7200m) gewesen, 8 Teilnehmer -für viele war es der letzte Tag in Katmandu - hatten den Gipfel erreicht, und so gab es einiges zum Feiern. Die nächsten Tage verbrachte ich damit unsere Everest Expedition zu organisieren, Zelte sortieren, unsere Expeditionsapotheke aufbessern, Sauerstoff abholen und unsere Hilfsleiter Arnold Coster und Ryan Waters einweisen -viel Arbeit, wenig Zeit. Langsam trudelten alle unsere Teilnehmer ein: Wir waren eine riesige Gruppe mit 23  Teilnehmern, 2 Leitern und 2 weiteren Hilfsleitern. Zudem stellten wir 22 Nepali Sherpas, Köche und 14 tibetische Kletterer, Köche und Küchenjungs ein - wir waren also insgesamt ein Gruppe von über 60 Personen am Berg.

Nach Tibet
Am 8.April sollte es nach Tibet gehen. Doch hatten die Maoisten einen Generalstreik ausgerufen und wir mussten noch länger in Katmandu warten. Als der Streik sich jedoch auszudehnen drohte  beschlossen wir am 10.April per Helikopter an die chinesische Grenze zu fliegen. Eine gute Entscheidung, da der Streik 35 Tage dauern sollte. Fünf mal mussten die alten russischen Mi17 abenteuerlich durch das enge Bergtal fliegen bis unsere gesamte Mannschaft und Ausrüstung den Grenzort Kodari erreichte -ein Glück das keiner abstürzte.  Auf der anderen Seite des Tales sah man die imposante chinesische Grenzstadt Zhangmu, zu der wir am nächsten Tag über die “Brücke der Freundschaft” gingen. Wir erledigten unsere Einreise- und Besteigungserlaubnisse mit den chinesischen Behörden und der TMA (Tibetean Mountaineering Association) und fuhren dann mit Toyota Landcruisern und drei Lastwagen der TMA ins Tibetische Hochplateau.

In der nächsten kleineren Stadt Nylam (3750m) verbrachten die meisten von uns  zwei Nächte, eine Tages- und Kulturwanderung bis auf 4400m zum Akklimatisieren und einen wilden Partyabend in der lokalen Kneipe. Nylam heißt ‘Straße zur Hölle’ von dort fuhren wir über einen beeindruckenden 5000m Pass nach Tingri (4400m), einem langweiligen Dorf in der Mitte einer windigen und  toten Steinwüste. Ein Tag drauf fuhren Dan, John Otto, unser lokaler Agent, und ich früh morgens los. Nach fünf Stunden Fahrt passierten wir das Rongbuk Kloster und das gerade in diesem Jahr neu erbaute Rongbuk Hotel auf 4800 Metern mit wundervollem Blick auf den Everest. Gerade mal 6km, 10 Minuten Fahrt entfernt liegt das Everest Basislager (5100m) für die Nordanstiege, wo John’s Team schon ordentliche Arbeit geleistet hatten und jedem Teilnehmer jeweils eins unserer nagelneuen Zelte sowie Essens-, Koch- und Materialzelte aufgestellt hatten. Wir regelten die Formalitäten mit der TMA im Basislager und wiesen unsere Mannschaft an Küche, Essen und Trinken fertigzustellen. Im Lauf des Tages kamen sie meisten Teilnehmer während einer unserer Hilfsleiter mit anderen noch zwei Tage in Tingri zum Akklimatisieren verbrachte.

Am Berg
Die eigentliche Kletterei fängt erst auf einem 6400m hohem Gletscher an und ist eine faszinierende, aber auch 22km weite Wanderung vom Basislager entfernt. So bauten wir in den nächsten Tagen das Mittellager (5700m) -MC (Midium Camp)-  und das  vorgeschobenen Basislager (6300m) -das ABC (Advanched BaseCamp)-  komplett mit eigner Küche, eignen Koch, Küchenmannschaft  und vielen Zelten auf. Um unsere zehn Tonnen Ausrüstung zu transportieren, beschäftigten wir nochmals über 300 lokale Arbeitskräfte, lokale Träger und Yak Besitzer.
Die erste Woche verbrachte ich mit Wanderungen zu einem 6000m Hügel, dem MC, dem ABC und den Beaufsichtigen des Lageraufbaus. Danach fühlte ich mich akklimatisiert genug um im ABC zu übernachten und den weitern Aufbau der Lager am Berg voran zutreiben. Ich kletterte zweimal zum Nordsattel, 7050m hoch um beim Aufbau unseres 1.Hochlagers, C1 (Camp1) zu helfen und übernachtete dort einmal. Nach 7 Tagen auf über 6300m brauchte ich Ruhe, stieg ab ins BC und fuhr mit einigen Kameraden zum Rongbuk Hotel. Dieses besass bequeme Betten, ein schönen Essenssaal mit riesigem 2 mal 1 Meter Flachbild-Fernseher! So, sassen wir abends beim Bier und schauten “Pulp Fiction” und “Gladiator” von DVD während im Hintergrund der Everest im Abendrot glühte - wie verrückt!
Am nächsten Tag lief ich durchs alte und neue Rongbuk Kloster und nahm ein paar Bilder von der kleinen aber feinen Anlage. Inzwischen haben viele chinesischen Behörden erkannt, welchen Wert das Buddhistische Kulturerbe hat -schließlich bringt es Touristen und damit auch Geld.  So werden viel Klöster wieder aufgebaut und die Religion mehr geduldet.Nach einer weiteren erholsamen Nacht -ach, ist es schwer sich von bequemen Bett und Fernseher
zu trennen, wenn man weis was einen erwartet - ging es wieder an den Berg. In 7 Stunden lief ich die 22km zum ABC, am nächsten Nachmittag  ging es zum C1 und am nächsten Tag bis auf 7550m und wieder runter zum ABC. Das Prinzip des Akklimatisieren musste eingehalten werden: Hoch klettern, den Körper an die Grenzen führen und dann wieder tief schlafen. Ich musste drei Tage den Nachschub für unsere Lager organisieren, dann wollte ich in die Tiefe des tibetischen Plateaus fahren, um mich zu erholen.

Erholung in Shigar
Mit Arnold und unseren Teilnehmern Tim und Troy  fuhr ich am 13.Mai nach Shigar, welches ‘nur’ etwa 4200m hoch liegt. Unser TMA-Vermittler Tashi wollte uns erst in New-Shigar, bestehend aus drei  Hotels,  unterbringen. Dort bleiben die meisten Touristen, doch wir bestanden auf die 13km entfernte Stadt Shigar und setzten uns schließlich durch. Trotz etwa 2000 Einwohner gab es dort kein öffentliches Hotel doch wir konnten in einer bequemen chinesischen Militärkaserne übernachten. Tashi lies uns allein und kurz danach bemerkten wir, dass niemand in diesem Dorf Englisch sprach. Da auch keiner von uns Chinesisch oder Tibetisch sprach, war das Bestellen vom Abendessen ein echtes Abenteuer. Morgens wurden wir dann um 7:00 durch die Kung-Fu Übungen des Militärs geweckt. Arnold und ich besuchten das alte buddhistische Kloster, in dem ein einsamer Mönch nach dem Rechten sah; ein trauriger Anblick, wenn man die alten Mauern des Klosters sieht und erfährt, dass früher 7 mal 700, also 4900 Mönche auf den sieben Etagen der Anlage lebten -das war vor der chinesischen Inversion- und deswegen wohl Touristen nach New-Shigar “umgeleitet” werden. Wir bekamen eine einmalige und faszinierende Führung durch die verbliebenen Gewölbe des Klosters, wanderten im Kerzenlicht an einer 10 Meter Hohen Buddha Statur vorbei, wurden von den geschmückten Ziegen des Klosters überrascht und wanderten zu dritt durch Räume, in denen Hundertschaften gebetet hatten. Anderswo eine Touristenhochburg, waren wir hier ganz alleine mit dem  überraschten, jungen und freundlichen Mönch Mlama.

Auf zum Gipfel - Wettersturz
Vier Stunden Fahrt zum Basislager, Aufstieg zum ABC, ein Tag Rast und dann ging es los: Am 18.Mai kletterte ich bis zum Nordsattel, in 4 Stunden, und am zweiten Tag in 5 Stunden zum 2.Lager C2(7600m) . Ich kletterte ohne künstlichen Sauerstoff, fühlte mich fit und wollte auch so den Gipfel erreichen. Doch am nächsten Tag wurde es früh morgens stürmisch und wir blieben im C2, um am nächsten Tag aufzusteigen.
Doch die Nächte auf über 7500m schlauchen, besonders ohne zusätzlichen Sauerstoff. Nach der zweiten Nacht fühlte ich mich noch okay, doch das Wetter wurde nicht besser. Einige unserer Teilnehmer waren während des Wettereinbruchs im Gipfelansturm auf über 8000m. Wir forderten alle zur Umkehr auf und erwarteten nun die Teilnehmer im Lager mit warmen Tea und Essen im C2 und hielten den Radiokontakt. Besonders zwei Teilnehmer, einer der auf 8700m umkehren musste und einer der 22 Stunden mit seinem Sherpa von 8300m bis zum Gipfel und zurück unterwegs war, machten uns besondere Sorgen. Es stürmte nun 2 Tage und es kamen immer mehr Nachrichten rein über vermisste Teilnehmer anderer Expeditionen. Doch gegen Nachmittag kamen die letzten unserer Teilnehmer ins Lager. Ich blieb noch eine Nacht, nun mit künstlichen Sauerstoff. Am nächsten Tag war das Wetter immer noch schlecht und ich sowieso zu müde um aufzusteigen. Am Nachmittag war unser gesamtes Team Heil vom Berg und wir hatten nur einen Fall von milder Erfrierung.

Katastrophe
Während des Wettersturzes am 20.Mai 2004 und den folgenden drei Tagen Schlechtwetters kamen auf unserer Aufstiegsroute fünf bis sieben Kletterer ums Leben. So fühlten wir uns glücklich, dass unsere Expedition so gut davon kam. Die genauen Umstände werden wohl nie vollständig geklärt werden. Hier ein Versuch die Ereignisse kurz zu listen: Die Bulgarisch-Russische verloren zwei Teilnehmer. Eine Frau durch Absturz, einem Mann durch Erschöpfung (ohne Sauerstoffgerät). Ein Japanische Frau starb durch Höhenwahn, sie wollte nicht umkehren und ihr Sherpa lies sie allein. Ein bis drei Koreanische Kletterer verschwanden im Gipfelbereich. Ein weiterer Kletterer brach sein Bein beim Sturz von der 2.Stufe und konnte nicht mehr runter gebracht werden.

Auf zum Gipfel - 2.Versuch
Ich entscheide mich noch ein bisschen auszuruhen und dann nochmal den Gipfel zu versuchen, wieder ohne Sauerstoff doch diesmal würde ich eine Flasche mit mir tragen. Die Tage nach dem Sturm, vom 23ten bis 26ten hatten nicht wirklich gutes Wetter. Dennoch gelangen einigen Expeditionen der Gipfel und die meisten bauten ihre Lager ab. Am 25.Mai, bevor wir aufbrachen meditierte ich und war mir sicher das der Gipfel gelingen würde. In mein Tagebuch schreibe ich “Ich werde strak sein und den Bastard [den Berg] Klettern. Es wird anstrengend sein, aber ich fühle, ich habe die Kraft und Ausdauer. Es liegt alles im Kopf. Ich werde es durchziehen” Als Arnold, ein paar unserer Sherpas und Tibetischen Träger und ich am 26.Mai das C1 erreichten sind nur noch ein Bruchteil der Zelte vorhanden. Am nächsten Tag klettern wir zum C2. Ich fühle mich sehr gut akklimatisiert und kletterte die Strecke ohne Sauerstoff in etwas über 4 Stunden recht schnell. Mittags wurde das Wetter wieder schlecht und die letzte Stunde war sehr unangenehm und zerrte an den Nerven - in meinen Gedanken: Nicht schon wieder...
Doch nächsten morgen weckt uns klares, kaltes Wetter und wir brechen auf zum C3. Alle meine Begleiter klettern mit Sauerstoffgerät doch ich kann ohne ganz gut mithalten. Als ich 8100merreichte, wehte ein kalter Wind mir entgegen, Wolken zogen auf, mir wurde kalt und zwei Sherpas hatten mich gerade abgehängt. Ich nahm das Atemgerät heraus, schloss die Flasche an und testete das Sauerstoff. Ich konnte 30% schneller Laufen und vor allem wurde mir nach 5 Minuten wieder warm -bedingt durch die bessere Versorgung der Extremitäten mit Sauerstoff. Ich kletterte die windige Passage schnell hinauf und drehte den Sauerstoff dann wieder ab. Mühsam stapfte ich die letzten Meter zum 8300m hohen C3 -höher als die meisten 8000er des Himalajas.

Wieder war das Wetter gegen 14:00 schlecht geworden. Wir rechnen mit 8 bis 10 Stunden Aufstieg  also entscheiden wir uns dafür früh, um 11:00 nachts aufzubrechen, um vorm Schlechtwetter des Nachmittags wieder unten zu sein. Ich teile das Zelt mit einen schwächeren Teilnehmer und koche so den ganzen Nachmittag Tea und Essen. Mein Zeltpartner startet um 10:00 um einen Zeitvorsprung zu haben und kehrt nach einer Stunde wegen der Kälte um. Ich selber ruhte mich nachts aus und schlief etwa 2 bis 3 Stunden. Mit etwa einer Stunde Verspätung, gegen 12:15 sind Arnold, unsere Sherpas Pasang Lakpah und Tenjin, die Tibeter Awang, Purbu und Tashi und ich fertig. Es wehte ein eisiger Wind, wir hatten eine wunderschöne, sternenklare Nacht und etwa - 45 Grad Celcius Kälte; mit den “wind-chill-Faktor” machte das eine subjektiv empfundene Temperatur von -80 Grad Celcius. Zu kalt für mich, so dass ich statt Erfrierungen lieber mit Sauerstoff kletterte. Ich packte noch eine zweite Flacsche aus dem Depot, trug so insgesamt 8kg an Sauerstoffausrüstung und stapfte los.Am Anfang ging ich vorne weg welches durch die 15 bis 30 cm Neuschnee der letzten Tage teils recht mühsam wurde. Eine kleine Schneerampe führte zu dem Gelben Band, welches durch die Nordwand zieht, über die unserer Route den Nordostgrat auf ca. 8600m Höhe erreicht. Durchwegs 40 Grad steiles Gelände mit kurzen 80 Grad, Uiaa 2er Passagen forderte die Kletterei durch die Nordwand, welches mit  Neuschnee, Eis- und Schneeverwehungen recht mühsam zu klettern war. Ich hoffte so einige mal endlich am Grat zu sein als noch ein Steilstufe auftauchte. Mir war an den Füßen etwas kalt und als ich eine kleine Höhle sah, dachte ich schön, dort kann ich eine kleine Pause machen und einen warmen Schluck Teas nehmen. Doch als ich ums Ecke laufe, streckten sich mir zwei Füsse entgegen, ein Schritt weiter und ich sehe einen ganzen Körper Gesicht zum Boden in der Höhle liegen. Wegen Höhe und Schock gehen meine Gedanken langsam: Lebt er oder ist er tot? Wohl tot! Grausig, ...und genau so im Daunenanzug wie ich selber. Nee, da will ich jetzt keine Pause machen!
Und so stapfte ich weiter den Hang hoch. Kurz danach erreichte ich den Grat. Ein kleiner Schluck zum Trinken und es ging schnell und einfach auf dem futuristischen Schneegrat entlang. Ich erreichte die 1.Stufe, eine 15m hohe 75 Grad steile Stufe mit Felsklettern im Grad Uiaa3. Danach  übernahm Awang die Führung und löste mich beim Spuren ab.  Es war immer noch Dunkel und es folgte eine Querung zur zweiten Steilstufe über abschüssige Bänder. Die 2.Stufe hatte eine überhängende Einstiegspassage, die auf eine Platte führt. Da ich die Fixseile nur zur Sicherung benutzte, empfand ich diese Passage zum Klettern im Bereich Uiaa 3/4. Nach insgesamt 10m steht man unter den nächsten 10m leicht überhängenden und glatten Fels, über die eine neue Leiter führte. Es gibt Risse links und rechts der Leiter die man aufgrund der Lage der Fixseile nicht gesichert klettern könnte. Ich drehte den Sauerstoff hoch und spurtete die Leiter hinauf. Es fing an zu dämmern und direkt über der Stufe hing ein toter Bulgarischer Kletterer im Seil, so dass man dieses nicht benutzen konnte. Ich erkannte den Man wieder, der Mitglied einer großen gesponsorten Expedition war. Seine Gruppe war auf der selbem Maschine nach Katmandu geflogen wie ich und wir wurden in Dubai sogar ins selbe Hotel gebucht aber ich hatte ihm nie verraten, dass ich zum Everest fahren würde und nun war es wohl auch egal; bedachte, ob er wohl Familie hatte und ging weiter. Zehn Minuten später ging die Sonne auf. Die Tibeter und ich hielten, um eine Flasche für den Rückweg zu deportieren. Wir genossen den Sonnenaufgang, auf über 8700m Höhe -wie wunderbar, faszinierende Weitsicht, endlich Licht und hoffentlich bald Wärme. Wir kletterten über die 3.Steilstufe, eine leichte Uiaa2er Kletterei und stapften dann durch das 45 Grad steile Anschlussschneefeld. Dieses was frisch verschneit, die Fixseile teilweise nicht benutzbar und so mussten wir uns nochmal voll konzentrieren. An einem toten koreanischen Kletterer vorbei ging es über abschüssige Felsplatten auf den Gipfelgrat und nach ein paar Minuten zum Gipfel...

Gipfel - 29.Mai 2004
Awang, Tashi, Purba und ich erreichten den Gipfel um 5:45 nur 30 Minuten nach Sonnenaufgang. So hatten wir eine unglaubliche Fernsicht, konnten den Nojin Kansa (7200m) über Lhasa sehen, welches unglaubliche 800m Fahrt entfernt ist. Ich setzte mich neben einen zwei Meter hohen Dreifuß, den Italiener diese Saison für Vermessungen hinterlassen hatten und nahm mein Atemgerät ab um Sauerstoff zu sparen und die wahre Höhenluft zu schnuppern. Nach Norden schaute ich in die ewige Weite der tibetische Hochebene, ein grau-braunes trockenes Hügelreich, gelegentlich gespickt mit einem kleinen weißen Fleck eines 7000m Berges. Das riesige Massiv des Cho Oyu (8201m) lag direkt gegenüber im Westen und noch näher lage die wunderschöne Pyramide des Makalu (8450m) im Südosten unter uns. Ich sah die vom Wind verwehten Spuren des Normalwegs vom Süden, wie dieser abfielt und darunter die Zacken des Lhotse (8500m), welcher von oben nur wie ein kleiner Nebengipfel aussah. Ich dachte “was mach ich eigentlich hier oben?” aber irgendwie war ich Zufrieden und glücklich, konnte mich aber nicht so ausgiebig freuen wie meine tibetischen Kameraden, musste an unseren Abstieg denken. Dann nahm ich meine Camera heraus und fotografierte. Es klickte doch später sollte ich erfahren, das kein einziges Bild aufgenommen wurden war. Die Batterien hatten aufgegeben obwohl ich die Kamera in der Innentasche meiner Daunenjacke hatte.  Doch auch meine Trinkflasche war dort gelagert und das kochend heißem Wasser von vor sechs Stunden hatte sich a inzwischen zu Eiswürfeln  verwandelt. Die verbliebene Flüssigkeit war zu kalt also kippte ich diese nach einem Trinkschluck weg und kaute auf einem Schokoriegel herum. Ich kramte das Radio raus, um unserm Basislager zu funken doch dieses schlief noch. Schließlich antwortet unser Sirdar Janbu verschlafen, gratulierte uns und teilte mir  mit, dass sonst keiner wach war. Während dieser Aktionen hatte ich teilweise meine Handschuhe ausgezogen. Der Wind wehte noch stark und plötzlich blies es einen meiner Außenhandschuhe die Nordwand hinunter. Es waren zwar nur noch milde -30 Grad Celsius doch immer noch windig. Ich bastelte mir aus meinen leichten Ersatzhandschuhen und den Innenhandschuhen eine akzeptable und warme Kombination. Dann -immerhin war ich schon 45 Minuten auf dem Gipfel gewesen- machte ich mich auf den Weg ins Tal.

Abstieg -noch mal volle Konzentration
Nach zehn Minuten traf ich Arnold und unsere Sherpas, welche kurz nachher den Gipfel erreichen würden. Während wir uns unterhielten kamen auch die Tibeter vom Gipfel. Gemeinsam gingen wir abwärts, sammelten den deponierten Sauerstoff und stiegen weiter ab. Die Ausgesetztheit der Kletterei wurde mir erst jetzt im Tageslicht deutlich, wir seilten die 2.Stufe hinunter, die Traverse zur 1.Stufe ist über senkrechten Wänden, unter denen sich einige Leichen sammeln. Der Grat danach ist breit, doch der Blick in die 2500m hohe Kangsung-Flanke und auf den futuristischen und noch nie bestiegenen Grat namens “Magic Ridge” sind beeindruckend. Nach drei Stunden erreichte ich wieder das 8300m Lager. Ich legte mich ins Zelt, trank eine hinterlegte Thermos mit warmen Tea und fing an zu kochen. Bald kamen Awang, dann Purba und Tashi und nach zweieinhalb Stunden Arnold, Tenjin und Lakpah ins Lager. Da es noch früh war, fingen wir an das Hochlager zusammen zupacken und kurz nach 12:00 machte ich mich mit einer Ladung alter Sauerstoffflaschen und meiner Ausrüstung auf den Weg nach unten. Auf dem ewigen Schneehang von 7500m runter nach 7000m fingen meine Knie an zu schmerzen und ich war schon recht müde. Doch vom Nordsattel (7000m) zum Gletscher(6400m) und zurück zum ABC ging es wieder besser und ich erreicht nach knapp fünf Stunden das ABC.

Das Wetter war entgegen den Trend den ganzen Tag gut und so konnte ich gegen 17:00 in der Nachmittagssonne ‘relaxen’ und dem Gipfel bestaunen. Bis spät in die Nacht erreichten alle unsere Gipfelbezwinger das ABC. Am 31.Mai mussten wir das Lager auch schon zusammen packen, am 2.Juni hatten wir ABC, MC und BC zusammengepackt und machten uns auf den Rückweg. Nicht ganz ohne Probleme, ein liegengebliebener Lastwagen, ein drohender Generalstreik und mit einem Tag Verspätung erreichten wir am Abend des  4.Juni Katmandu, um rechtzeitig zum 77.Geburtstag eines Freundes mit ihm zu feiern. Am nächsten Tag gab es eine Everest-Abschlussfeier und am 6.Juni flog ich auch schon wieder nach Deutschland. Die Gegensätze vom Gipfel des Everest, den Leben in Katmandu und dem Alltag in Deutschland innerhalb von wenigen Tagen war schon extrem.

Nachwort
Insgesamt war ich nun zwei Monate auf Expedition und es war schon mühsam den Gipfel zu erreichen. Doch bei den hohen Bergen hängt viel von der Infrastruktur ab. Je beliebter und begangener ein Berg ist um so weniger muss man arbeiten, um ihn zu besteigen und der Everest, selbst unsere weniger begangene Nordseite, ist nun mal sehr beliebt.
Der Lageraufbau, das Verlegen von Fixseilen, die Wegfindung und Spurarbeit werden auf viele Expeditionen und Schultern verlegt. Sauerstoff erleichtert zudem sie Besteigung, doch gerade auf dem Nordostgrat ist die Entscheidung ob mit oder ohne Sauerstoff weniger entscheidend als die immer vorhandenen Fixseile und die Leiter an der 2.Stufe. Ohne diese Einrichtungen würde die Route an Ernsthaftigkeit, Schwierigkeit und Ausgesetztheit jeden anderen 8000ern, auch den K2 oder Kangchenjunga bei weitem überschreiten. Trotz des Wetterpechs, den drei zusätzlichen mühsamen Tagen auf 7600 Metern, den Versuch ohne Sauerstoff zu gehen, war das Erreichen des Gipfels nicht wirklich das Limit gewesen. Die schnelle Aufstiegszeit (mit einer Flasche Sauerstoff) ist wohl ein Zeichen davon, sowie das ich  die Fixseile nur zur Absicherung und nicht zur Fortbewegung benutzte. Dennoch, es war ein wertvolles und unglaubliches Gefühl am Gipfel zu stehen, zu wissen “höher geht’s nimmer”, die Fernsicht, das Glück mit dem Wetter -ein Moment, den ich nicht missen möchte und nie vergessen werde und schließlich machte mir das Erlebnis einer Expedition auch ganz einfach viel Spaß. Zudem bin ich besonders froh, dass von unserer Expedition 9  Teilnehmer und 16  Sherpas/Tibeter, darunter sogar ein Koch, den Gipfel erreichen konnten.

Oft wurde ich nun gefragt: “Was kommt als Nächstes? Jetzt kannst ja mit dem Klettern aufhören, höher geht es ja nicht mehr?” ...da kann ich nur schmunzeln, den es gibt ja so viele schöne Ziele, und das Klettern und Bergsteigen ist ein wunderbares Erlebnis und macht vor allem viel Spaß!